Steigen die Preise auch auf dem Lande?

Die Bundesbank hat nach komplizierten Modellrechnungen festgestellt, dass die Immobilienkaufpreise in vielen Städten das mit demografischen und ökonomischen Faktoren erklärbare Niveau deutlich überschreiten- in den selben Metropolen um bis zu 20 Prozent. Können die explodierenden Preise die Wohnungsmärkte des gesamten Landes überhitzen?
Die Antwort lautet: wohl kaum. Denn die Preise explodieren nur dort, wo Nachfrage und Angebot auseinanderklaffen. Und diese Diskrepanz entsteht, weil de Neubau mit dem Zuzug nicht mithalten kann. Städte wie München und Stuttgart sind nicht in der Lage, so viel Bauland auszuweisen, wie für den Wohnungsneubau gebraucht würde. Die Menschen weichen in angrenzende Gebiete aus und treiben dort die Preise in die Höhe. Anderenorts geschieht das Gegenteil. Die Preise sinken, weil ganze Landstriche leegezogen werden – und zwar nicht nur in Ostdeutschland und im ehemaligen Zonenrandgebiet. Auch in Taunusdörfern verfallen alte Häuser im Ortskern, weil es sich nicht lohnt, sie zu renovieren oder gar zu modernisieren. Die Nachfrage fehlt, wenn der Weg zum Arbeitsplatz lang ist und die Fahrtkosten entsprechend steigen. Für Bürger werden solche Kommunen aus einem weiteren Grund immer unattraktiver: Häuser und Wohnungen kosten zwar real weniger. Aber neben den  Fahrtkosten steigen auch die Wohnnebenkosten. Denn die Fixkosten für Versorgung und Entsorgung werden auf immer weniger Menschen umgelegt. Das heißt: Die Preisschäre zwischen Orten mit abnehmender und zunehmender Bevölkerung wird weiter aufgehen. Wer über seinen künftigen Wohnstandort nachdenkt, muss in jedem Fall alle Kosten einbeziehen.
Quelle: Handelsblatt, Dienstag 22.Okober 2013, Nr.203

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